Die guten Vorsätze für das Jahr 2022 sind gerade erst gefasst. Zeit, auch die Offset-Strategie eures Unternehmens in Angriff zu nehmen. Wir erklären, worauf es beim CO₂-Ausgleich ankommt.
Die Begriffe CO₂-Kompensation oder Kohlenstoffausgleich, im Englischen „Carbon Offset“ genannt, sind in aller Munde. Ihr Ziel ist es, Klimaneutralität zu erreichen. Dabei kauft ein Unternehmen Emissionsgutschriften, um seinen CO₂-Fußabdruck zu kompensieren. So zeigt es seinen Mitarbeiter*innen und Kund*innen, dass es sich für eine nachhaltigere Zukunft einsetzt und für seine Emissionen Verantwortung übernimmt.
Das Konzept des CO 2 -Ausgleichs wird aber oft missbräuchlich verwendet. Tatsächlich ist das Thema komplex. Seriöse und schlechte Anbieter von Emissionsgutschriften lassen sich auf den ersten Blick vielfach nicht unterscheiden. Wir haben daher zusammengefasst, was ihr wissen müsst, um Stolpersteine zu vermeiden und eine sinnvolle Strategie für den Emissionsausgleich in eurem Unternehmen zu definieren.
Was bedeutet Kohlenstoffausgleich?
Der Begriff Kohlenstoffausgleich taucht immer dann auf, wenn es um die Definition einer Nachhaltigkeitsstrategie geht. Die Zertifizierungsorganisation Gold Standard definiert den englischen Begriff „Carbon Offset“ oder „Carbon Credit“ dabei als eine „zertifizierte Reduktion oder Entfernung einer Tonne Kohlendioxidäquivalent (tCO2e) aus der Atmosphäre“.
Doch was bringt die Kompensation – ist sie nicht nur ein Vorwand, die Umwelt guten Gewissens noch mehr zu verschmutzen, indem Unternehmen dafür bezahlen? Die Antwort ist ein klares Nein – zumindest dann, wenn der CO 2 -Ausgleich richtig eingesetzt wird. Was das genau bedeutet, lest ihr im Folgenden.
Noch dazu haben die meisten Klimaschutzprojekte nicht nur einen Einfluss auf die Umwelt. Sie tragen auch dazu bei, die von den Vereinten Nationen entwickelten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
Die Verringerung der Emissionen muss im Vordergrund stehen
Unternehmen sollten Emissionen erst dann kompensieren, wenn sie alles dafür getan haben, ihren CO 2 -Fußabdruck zu verringern. Das ist auch die klare Botschaft der Initiative Science Based Targets . Sie unterstützt Unternehmen dabei, Ziele zur Emissionsminderung festzulegen, die mit jenen des Pariser Abkommens übereinstimmen. In ihren Leitlinien hält die Organisation fest, dass Emissionsgutschriften nur genutzt werden sollten, um Restemissionen (Emissionen, die Unternehmen aufgrund technischer Beschränkungen nicht reduzieren können) zu neutralisieren oder um Klimaschutzmaßnahmen zu finanzieren, die über die Emissionsminderungsziele hinaus ergriffen werden. Hier könnte man demnach auch von „Klimabeiträgen“ anstatt von „Kohlenstoffausgleich“ sprechen, so der Vorschlag einer weiteren Organisation, der Net Zero Initiative .
Der Begriff „Kompensation“ trifft es nicht ganz
Der Kauf von Emissionsgutschriften gleicht euren CO 2 -Fußabdruck nicht sofort aus, denn: Eure Treibhausgasemissionen landen direkt in der Atmosphäre. Kompensationsprojekte brauchen aber Jahre, bis Emissionen vermieden oder CO 2 aufgefangen werden kann. Und dennoch: Indem ihr Emissionsgutschriften kauft, kompensiert ihr eure Kohlenstoffemissionen und tragt noch dazu zur globalen Klimaneutralität bei.
Welche Arten von Carbon Offsets gibt es?
Ihr kennt jetzt das Konzept des Kohlenstoffausgleichs. Trotzdem ist es nicht einfach, sich in der Menge an Kompensationsprojekten am Markt zurechtzufinden. Um euch einen besseren Überblick zu verschaffen, sehen wir uns die Begriffe Kohlenstoffemissionen und Kohlenstoffsenken genauer an.
Im Jahr 2020 haben wir weltweit 38 Milliarden Tonnen CO 2 verursacht. Diese Emissionen stammen aus der Verwendung fossiler Brennstoffe und aus der veränderten Landnutzung –etwa durch Verkehr, Landwirtschaft, Gebäude oder Energieerzeugung. Rund 40 % dieser Emissionen werden durch natürliche Kohlenstoffsenken aufgefangen. Von ihnen existieren zwei Arten: die Vegetation und die Ozeane. Die übrigen 60 % der Emissionen verbleiben in der Atmosphäre. Sie verstärken den Treibhauseffekt, der für den Klimawandel verantwortlich ist.
Quelle: https://drawdown.org/drawdown-framework
Quelle: https://drawdown.org/drawdown-framework
Es gibt zwei Arten von Kompensationsprojekten: Projekte zur Emissionsvermeidung reduzieren die Emissionen, die durch menschliche Aktivität ausgestoßen werden (siehe die linke Seite der Grafik). Projekte zum Kohlenstoffabbau hingegen erhöhen die Anzahl der Emissionen, die von natürlichen Kohlenstoffsenken aufgefangen werden. Sie begrenzen also die in der Atmosphäre verbleibende Menge (siehe die rechte Seite der Grafik).
Projekte zur Emissionsvermeidung
Diese Kompensationsprojekte reduzieren die CO 2 -Emissionen, die durch menschliche Aktivität verursacht werden. Dazu gehören etwa die Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung (REDD+), die Energieeffizienz und die Umstellung auf alternative Brennstoffe oder die Verbesserung der Land- und Abfallwirtschaft. Die meisten der verfügbaren Kompensationsprojekte fallen in diese Kategorie.
Projekte zum Kohlenstoffabbau
Sie erhöhen die Menge an Kohlenstoff, die von Kohlenstoffsenken gebunden wird. Einfach gesagt: Diese Projekte entfernen Kohlendioxid direkt aus der Atmosphäre. Zu dieser Kategorie gehört die biologische Sequestrierung, bei der Kohlenstoff im Boden gebunden wird (z. B. durch Aufforstung). Bei der Methode der „Direct Air Capture“ wird das CO 2 hingegen direkt aus der Luft abgesaugt. Und bei der Abscheidung und Speicherung („Capture and Storage“) gelangt es erst gar nicht in die Atmosphäre, sondern wird in unterirdische Speicher gebracht.
Quelle: https://physicsworld.com/a/carbon-removal-requires-multiple-technologies/
Quelle: https://physicsworld.com/a/carbon-removal-requires-multiple-technologies/
So wählt ihr seriöse Kompensationsprojekte aus
Ihr wisst jetzt, warum und wann ihr die Emissionen eures Unternehmens ausgleichen solltet und kennt die verschiedenen Arten von Kompensationsprojekten. Jetzt erfahrt ihr, wie ihr geeignete Projekte für euer Unternehmen auswählt.
Dafür zeigen wir euch, welche Kriterien die Projekte erfüllen sollten und wie ihr es vermeidet, Greenwashing-Projekte zu finanzieren. Denn die sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern schaden auch der Glaubwürdigkeit eures Unternehmens.
Die folgende Liste fasst zusammen, was ihr vor dem Kauf von Emissionsgutschriften beachten solltet. Sie beruft sich auf die Oxford-Prinzipien für Netto-Null-Kompensationen , die Gold-Standard-Bewertungskriterien und das BeZero-Bewertungssystem . Eine Emissionsgutschrift sollte demnach folgende Kriterien erfüllen:
1. Real : Die Menge der vermiedenen Emissionen oder des entfernten Kohlenstoffs basiert auf realistischen Grundannahmen. So wird eine übermäßige oder doppelte Anrechnung vermieden. Dieses Kriterium stellt sicher, dass die Menge der vermiedenen oder entfernten CO 2 -Emissionen nicht überschätzt wird.
2. Zusätzlich: Die Emissionen wären ohne das Projekt nicht vermieden oder beseitigt worden.
3. Dauerhaft: In einigen Fällen kann die Kohlenstoffspeicherung wieder rückgängig gemacht werden. Das ist etwa bei Aufforstungsprojekten der Fall, wenn Bäume und Wälder beschädigt werden. Dieses Kriterium ist daher besonders wichtig, wenn das Projekt in einem Gebiet angesiedelt ist, das politischer Instabilität oder hohen Risiken des Klimawandels ausgesetzt ist.
4. Unabhängig geprüft: Die Projektdaten und -auswirkungen werden von einer dritten Partei überprüft und der Überprüfungsprozess ist transparent. Diese dritte Partei kann eine Zertifizierungsstelle sein. Die gängigsten Standards sind der Gold Standard , der Verified Carbon Standard (VCS) und die Climate Action Reserve (CAR) . Alle Gutschriften, die auf Grundlage eines solchen Standards ausgestellt werden, werden regelmäßig von Dritten überprüft.
Achtet bei der Auswahl eines Projekts darauf, dass es möglichst viele dieser Punkte erfüllt. Idealerweise sollte es auch den Zielen eures Unternehmens im Bereich der unternehmerischen und sozialen Verantwortung entsprechen.
Wie legt ihr eine Kompensationsstrategie für euer Unternehmen fest?
Jetzt kennt ihr die Bedingungen und Fallstricke, die Unternehmen beachten sollten, wenn sie eine Kompensationsstrategie definieren. Die folgenden Maßnahmen könnt ihr nun umsetzen, um eure bis 2021 (und darüber hinaus) verbliebenen Emissionen zu kompensieren.

