Viele Unternehmen arbeiten ernsthaft an ihrer Nachhaltigkeit – und bekommen trotzdem einen enttäuschenden EcoVadis-Score. Der Grund ist meist nicht mangelnde Leistung, sondern wie die Einreichung aufgebaut ist. Hier sind die häufigsten Fehler und was du konkret dagegen tun kannst.
Was EcoVadis wirklich bewertet – und warum das entscheidend ist
Ein wichtiger Grundsatz vorneweg: EcoVadis bewertet nicht die konkreten Ergebnisse – also zum Beispiel die Reduktion von Emissionen – sondern die Qualität der Managementsysteme, die bei der Erhebung von Kennzahlen zugrunde liegen. Fiveglaciers
Die Bewertung folgt dem klassischen Plan-Do-Check-Act-Prinzip: EcoVadis prüft Richtlinien, Maßnahmen und Ergebnisse in vier Themenbereichen – Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik, nachhaltige Beschaffung. Wer die Bewertungslogik versteht, kann seinen Score steuern. Wer sie nicht versteht, verschenkt Punkte.
Der vielleicht wichtigste Perspektivwechsel: Deine Einreichung wird von Assessors bewertet – heute mit KI-Unterstützung, aber mit menschlichem Urteil im Zentrum. Je einfacher du es diesen Assessors machst, den passenden Beleg zur passenden Frage zu finden, desto besser dein Ergebnis. Klingt simpel, wird aber systematisch unterschätzt. Die Einreichungen mit dem höchsten Score sind nicht zwingend die mit der besten Nachhaltigkeitsarbeit – sie sind die, bei denen Evidence am schnellsten zuzuordnen ist.
Die häufigsten Fehler im Überblick
- Richtlinie und Maßnahme verwechseln
Der vermutlich teuerste Fehler – und gleichzeitig der am einfachsten zu behebende. Viele Unternehmen laden eine Richtlinie hoch, wenn nach Maßnahmen gefragt wird, oder umgekehrt. EcoVadis akzeptiert beides nicht. Eine Richtlinie beantwortet die Frage: „Was wollen wir tun?" Eine Maßnahme beantwortet: „Was haben wir konkret getan?" Das sind unterschiedliche Ebenen, und sie werden an unterschiedlichen Stellen im Scoring bewertet. Wer beides verwechselt, signalisiert dem Assessor außerdem, dass das eigene Managementsystem nicht sauber strukturiert ist – und das wirkt sich auf weitere Einschätzungen aus. - Maßnahmen ohne Nachweis
Typisch ist, dass eine Maßnahme zwar erwähnt wird, aber kein Dokument mit Beschreibung, Funktion und Geltungsbereich vorgelegt wird. Eura-ag EcoVadis akzeptiert nur, was belegbar ist. Gut gemeint zählt nicht. - Richtlinien ohne Substanz
Allgemeine Absichtserklärungen ohne konkrete Ziele bringen eine niedrige Bewertung. Qualitative Ziele wie „Wir minimieren Abfälle" liegen im mittleren Bereich. Für maximale Punkte sind quantitative Ziele erforderlich. Eura-ag „Wir sind um Nachhaltigkeit bemüht" ist kein Nachweis. „Wir reduzieren unsere Scope-1-Emissionen bis 2027 um 20 % gegenüber dem Basisjahr 2023" hingegen schon. - Dokumente, die den Assessor raten lassen
Wer eine 80-seitige Richtlinie hochlädt, ohne den relevanten Abschnitt zu kennzeichnen, zwingt den Assessor zur Detektivarbeit – und relevante Inhalte werden routinemäßig übersehen. Die Grundregel: Klare Dateinamen mit eindeutigem Bezug zur Frage, Firmenlogo, Versionsnummer, aktuelles Datum. Der Assessor sollte in Sekunden erkennen, was das Dokument belegt. - Zu wenige Maßnahmen pro Frage
EcoVadis erwartet pro Frage mindestens vier Maßnahmen – im Bereich nachhaltige Beschaffung sogar sechs oder sieben. Sustentio Wer mit zwei oder drei Einträgen antwortet, kann die volle Punktzahl nicht erreichen, egal wie gut die Qualität ist. - Letztjährige Einreichung ohne Anpassungen abgeben
Der häufigste Grund für überraschende Score-Einbrüche: Eine Einreichung, die identisch zur Vorjahres-Einreichung aussieht, signalisiert dem Assessor, dass sich im Unternehmen nichts bewegt hat. Und in einem System, das gegen sich kontinuierlich verbessernde Wettbewerber bewertet, bedeutet Stillstand Rückschritt.
Konkret passiert oft das: Der Score fällt um mehrere Punkte, obwohl inhaltlich nichts geändert wurde. „Wir haben nichts geändert, wie kann der Score fallen?" – genau das ist der Grund. EcoVadis aktualisiert regelmäßig seine Methodik, passt Schwellenwerte an, und die Benchmark bewegt sich mit jedem Bewertungszyklus weiter nach oben. - Zu spät angefangen
Unternehmen beginnen oft zu spät mit der erstmaligen Sammlung von Nachweisen, insbesondere wenn aufgrund konkreter Kundenanforderungen Deadlines für die Abgabe vorgegeben sind. Fiveglaciers Wer erst mit der Dokumentation beginnt, wenn die Einladung eintrifft, hat wenig Spielraum für Verbesserungen.
Die Scorecard ist kein Medaillen-Check – sie ist ein Strategiedokument
Die meisten Unternehmen öffnen ihre EcoVadis-Scorecard einmal, schauen auf die Medaille und legen sie weg. Das ist einer der teuersten Fehler überhaupt. Die Scorecard zeigt nicht nur, wo du punktest, sondern sehr konkret, wo Punkte verloren gingen und was für die nächste Runde priorisiert werden sollte.
Wer die Scorecard als Roadmap liest statt als Zeugnis, macht den Weg von Silber zu Gold – oder von Gold zu Platin – deutlich planbarer. Der Unterschied ist dann nicht mehr „wir hoffen auf ein besseres Ergebnis", sondern „wir wissen, an welchen drei Hebeln wir bis zur nächsten Einreichung arbeiten".
Was konkret hilft
- Jede Einreichung als Weiterentwicklung denken. Kein Copy-Paste vom Vorjahr. Schon kleine Updates machen den Unterschied: Ein aktualisiertes Policy-Datum, ein zusätzliches Jahr KPI-Daten, eine neu dokumentierte Maßnahme. Das ist das Signal an den Assessor, das EcoVadis belohnt.
- Ein Dokument für mehrere Kriterien einsetzen. Nachhaltigkeitsberichte oder ein Code of Conduct können mehrere Kriterien gleichzeitig abdecken. Sustentio Das spart Aufwand und erhöht Konsistenz.
- Relevante Abteilungen früh einbinden. ESG ist keine One-Person-Show. HR, Einkauf, Rechtsabteilung und Management haben Dokumente und Daten, die du brauchst. Wer das erst kurz vor Abgabe koordiniert, gerät unter Druck.
- Gap-Analyse vor der Einreichung. Ein kurzer Check zeigt, wo du Punkte verschenkst – bevor der Fragebogen abgeschickt ist.
- Für den Assessor schreiben, nicht für dich selbst. Jede Einreichung ist eine Kommunikationsaufgabe. Klare Struktur, eindeutige Bezeichnungen, Markierungen in langen Dokumenten – das entscheidet oft über mehrere Punkte.
Fazit
Ein guter EcoVadis-Score ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von strukturierter Vorbereitung, sauberer Dokumentation und einem klaren Verständnis davon, wie EcoVadis funktioniert. Die meisten verlorenen Punkte lassen sich mit überschaubarem Aufwand zurückgewinnen – wenn man weiß, wo man ansetzen muss. Und: Jede Einreichung ist eine Gelegenheit, sichtbar besser zu werden.
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