Warum sich 2026 alles verschiebt
EcoVadis bewertet seit 2024 nicht mehr gegen feste Punkteschwellen, sondern auf Basis von Perzentilen. Du konkurrierst also nicht gegen einen fixen Benchmark, sondern gegen alle anderen bewerteten Unternehmen weltweit.
Das Ergebnis: Die Schwellen bewegen sich – nach oben. Zwischen Juli 2025 und Januar 2026 stieg der Wert für eine Silber-Medaille von 68 auf 72 Punkte. Für Gold ging es von 77 auf 78. Wer letztes Jahr komfortabel im Silber-Bereich lag, kann 2026 ohne eigene Verschlechterung herausfallen.
Die wichtigsten Methodik-Änderungen
1. Strengere Anforderungen an Reporting-Frameworks
Bisher reichte es, einen Nachhaltigkeitsbericht „mit Verweis auf GRI“ zu erstellen. Ab 2026 verlangt EcoVadis eine formale Konformität: Wer nach GRI berichtet, muss „in accordance with“ GRI Standards berichten – nicht nur „with reference to“. Gleiches gilt für ESRS: Ein CSRD-konformer Bericht wird als vollwertiges Framework anerkannt.
Was das für dich bedeutet: Wenn du ohnehin unter die CSRD fällst, nutze deinen ESRS-Bericht aktiv für EcoVadis. Zwei Fliegen, eine Klappe.
2. Materialitäts-Pilot wird ausgeweitet
EcoVadis testet seit einiger Zeit ein Pilotprogramm, bei dem die Bewertung stärker auf branchenspezifische Wesentlichkeit zugeschnitten wird. 2026 betrifft das unter anderem Pharmahersteller, Kunststoffproduktion, Elektronik und bestimmte Agrarsektoren.
3. Neuer 360° Watch-Faktor: Stakeholder-Konsens
EcoVadis hat seinen Kontroversen-Bewertungsrahmen um den „Stakeholder-Konsens“ erweitert. Bei strittigen Fällen – wenn unklar ist, ob ein Vorfall wirklich schädlich war – fließt der Konsens unter glaubwürdigen Stakeholdern in die Bewertung ein. Je breiter der Konsens, desto härter die Bewertung.
4. Carbon Rating Methodik v2.0
Seit Januar 2026 gilt Version 2.0 der Carbon Rating-Methodik. EcoVadis setzt verstärkt auf maschinelles Lernen zur Informationsextraktion. Der Fokus auf verifizierte Daten bleibt: Drittpartei-geprüfte Berichte und externe Audit-Reports sind entscheidend für die oberen Performance-Stufen.
5 konkrete Schritte zur Vorbereitung
1. Puffer einplanen: Die Medaillen-Schwellen steigen jährlich um etwa 5–6 Punkte. Ziele daher 5–10 Punkte über deinem Medaillen-Ziel.
2. Reporting-Reife aufbauen: Veröffentliche einen umfassenden Nachhaltigkeitsbericht. Rechne mit 3–4 Monaten Vorlauf.
3. Gap-Analyse durchführen: Eine Gap-Analyse zeigt aktuelle Schwächen und Potenziale zur Verbesserung auf. Diese stellt ein solides Fundament für die inhaltliche Arbeit dar.
4. Wesentlichkeitsanalyse erstellen: Eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist nicht nur CSRD-Pflicht, sondern auch ein starkes Fundament für die EcoVadis-Bewertung.
5. 360° Watch proaktiv monitoren: EcoVadis wertet über 100.000 externe Quellen aus. Wer Kontroversen frühzeitig erkennt und belegt, dass Gegenmaßnahmen greifen, kann den Schaden begrenzen.
Fazit
EcoVadis 2026 ist keine Revolution, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Oberflächliche Nachhaltigkeitskommunikation reicht nicht mehr. Wer formale Compliance nachweisen, echte Daten liefern und Maßnahmen belegen kann, wird belohnt.
Für Unternehmen, die ohnehin an ihrem CSRD-Bericht arbeiten: Die Synergien zwischen ESRS-Berichterstattung und EcoVadis-Bewertung werden 2026 stärker denn je.

